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125 Jahre Stadtgeschichte ziehen um

[Donnerstag - 16.07.2026]

   Bürgermeister Nils Siemen und Hauptamtsleiter Jörg Patzke sichten historisches Archiv im Rathausturm – Protokollbücher werden dauerhaft im Stadtarchiv gesichert

Aktuell laufen zahlreiche Arbeiten, um Ersatzräumlichkeiten für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schaffen, die bislang im Rathausturm untergebracht sind. Neben der Vorbereitung der neuen Arbeitsplätze wird derzeit auch geprüft, welche Möbel, Akten und sonstigen Gegenstände weiterhin benötigt werden, mit umziehen können oder fachgerecht entsorgt werden müssen.

Im Zuge dieser Vorbereitungen haben Bürgermeister Nils Siemen und Hauptamtsleiter Jörg Patzke gemeinsam das Archiv im achten Stock des Rathausturms gesichtet. Dort lagern unter anderem historische Protokollbücher und Niederschriften aus mehr als 125 Jahren Nordenhamer Kommunalgeschichte.

„Wer diese Bücher aufschlägt, hält ein Stück echte Stadtgeschichte in den Händen. Die Protokolle zeigen, welche Entscheidungen Nordenham geprägt haben und welche politischen und gesellschaftlichen Umbrüche unsere Stadt erlebt hat“, erklärt Bürgermeister Nils Siemen.

Zu den ältesten erhaltenen Dokumenten gehört ein Protokoll vom 10. Juni 1899, das nur wenige Tage nach dem Tod Wilhelm Müllers verfasst wurde. Müller hatte die Entwicklung der damaligen Gemeinde Atens und des Hafenplatzes Nordenham maßgeblich geprägt. Im Protokoll heißt es, er habe es als seine Lebensaufgabe betrachtet, diese Entwicklung „in jeglicher Beziehung und mit großer Opferwilligkeit zu fördern“.

Auch die sogenannte „Friesenspende“ findet sich in den historischen Unterlagen wieder. Wilhelm Müller hatte der Gemeinde Atens sein Vermögen vermacht. Die Mittel sollten unter anderem der Verschönerung der Gemeinde dienen. In diesem Zusammenhang wird auch der Wunsch dokumentiert, den Bürgerpark als „Garten der Welt“, mindestens jedoch als frei zugänglichen grünen Platz für die Öffentlichkeit zu erhalten.

Weitere Protokollbücher berichten von wichtigen Stationen der Stadtentwicklung, etwa den Vorbereitungen rund um die Stadterhebung im Jahr 1908, vom Wiederaufbau und von der weiteren Entwicklung Nordenhams nach dem Zweiten Weltkrieg, von den Planungen für einen Rathausneubau in den 1950er-Jahren sowie von den Veränderungen durch die Gebietsreform im Jahr 1974.

Die Niederschriften dokumentieren zugleich die dunkelsten Kapitel der deutschen und Nordenhamer Geschichte. Ein Protokoll aus dem Jahr 1939 hält fest, wie ein Ratsherr durch einen Beauftragten der NSDAP berufen und auf Adolf Hitler vereidigt wurde.

Auch der politische Neubeginn im Jahr 1945 wird in den Büchern sichtbar. Bei der Einführung des neuen Bürgermeisters Dr. Briese wurde zur gemeinsamen Arbeit für die Stadt aufgerufen. In der Niederschrift heißt es: „Über allem steht das Gesamtwohl der Stadtgemeinde.“ Zugleich wurde die konsequente Beseitigung des Nationalsozialismus in Nordenham gefordert.

„Diese Dokumente zeigen eindrucksvoll, wie eng die Geschichte unserer Stadt mit den großen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden ist. Sie erinnern uns auch daran, dass Demokratie und kommunale Selbstverwaltung nicht selbstverständlich sind“, betont Siemen.

Für Hauptamtsleiter Jörg Patzke ist die Sichtung der Bestände zugleich ein wichtiger Teil der organisatorischen Vorbereitung des Umzugs: „Wir müssen sehr sorgfältig unterscheiden, welche Unterlagen für die laufende Arbeit benötigt werden, welche archivwürdig sind und welche nach Ablauf der Aufbewahrungsfristen ausgesondert werden können. Bei diesen historischen Protokollbüchern ist völlig klar: Sie sind ein wertvoller und dauerhaft zu bewahrender Teil unseres Stadtarchivs.“

Die historischen Protokollbücher werden daher selbstverständlich nicht entsorgt. Sie werden im Zuge des Umzugs gesichert und dauerhaft in das Stadtarchiv überführt.

„Wer die Zukunft einer Stadt gestalten will, sollte auch wissen, woher sie kommt. Deshalb ist es wichtig, diese Zeugnisse sorgfältig zu bewahren und auch für kommende Generationen zugänglich zu halten“, so Bürgermeister Nils Siemen.

Siemen und Patzke danken allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die den umfangreichen Umzug zusätzlich zu ihren täglichen Aufgaben vorbereiten und mit großer Sorgfalt dafür sorgen, dass wichtige Unterlagen und historische Dokumente erhalten bleiben.

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